VonGrünlegern und anderem Federvieh

Unsere derzeit 107 Hühner leben beinahe mit Familienanschluss. Ihr Stall ist mit Stroh eingestreut und so groß, dass weniger als vier Vögel sich einen Quadratmeter teilen müssen. Unser Federvieh hat rund um die Uhr freien Zugang zu etwa fünf Hektar Weide. Zum Körner picken, Trinken, Legen und Schlafen kehrt es von selbst in seinen Stall zurück. Hygiene ist auch für Bio-Hühner oberstes Gebot. Frisches Wasser, Futter und saubere Einstreu sind selbstverständlich. Hinzu kommt ein tierärztlich überwachter Impfplan.
Jeden Tag besuche
ich die Tiere mehrfach, nicht nur, um sie
zu füttern und die Eier einzusammeln. Schon bevor ich die Stalltür geöffnet
habe, höre ich, ob es ihnen gut geht. Haben Sie eine Vorstellung davon, wie unterschiedlich Hühner gackern können? Für jedes
Ereignis gibt es eigene Töne, die zusammen eine richtige Sprache ausmachen. Ist
es stumm im Stall, bin ich mir sicher, dass etwas nicht stimmt. Ist etwa in der
Nacht ein Marder von Nest zu Nest gezogen?

Lieber ist mir, wenn die Vögel "Singen". Dann ist alles in Ordnung.
Es ist beinahe rührend, wie die Hennen ihr freudiges Ereignis der Eiablage in Ton und Taten kommentieren. Es ist ein spannender Moment, wenn die Gefiederte ihren Oberkörper aus der Hockposition anhebt, das Brustbein leicht nach vorne schiebt und wieder zurück und vor…presst.. und dann das Ei ins Nest kullert. Kürzlich sah ich einer gesperberten Henne zu, die fast liebevoll mit dem Schnabel ihr „Werk“ befühlte, dann nach Strohhalmen zupfte, um das Nest noch ein wenig auszupolstern und schließlich stolz erhobenen Hauptes und mit einem aufgeregten Gack-Gack-Gack davonzog. Immer wieder fasste ihr Schnabel in die Einstreu, um einen Strohhalm mal nach rechts, mal nach links zu werfen… wie ein Mädchen, das Blumen streut.

Unsere Hennen legen Eier in unterschiedlichen Farben. Jeden Tag ein bisschen Ostern also. Die ockerfarbenen sind von solchen mit Orpington-Einschlag, die rötlich braunen von reinrassigen Australorps. Beide Herkünfte sind groß und schwer und dazu sehr zutraulich. Die etwas kleineren der Silver Nicks sind hell bis dunkel braun. Weiße Eier legen 20 speziell auf Legeleistung gezüchtete LSL-Hennen.
Etwa die Hälfte des Bestands sind Grünlegerinnen. Die Schalenfarbe ihrer Eier variiert von hell- bis dunkelolivgrün. Die Hühnchen finden natürlich unseren Bio-Betrieb prima, aber es ist eher eine Erbanlage als eine Sympathiebekundung, wenn die Kalkmäntel ihrer „Produkte“ anders pigmentiert sind.
Unsere Hennen stammen von sogenannten Araucanern
ab. Das sind wilde Buschhühner südamerikanischen Ursprungs, die spanische
Eroberer und niederländische Piraten im
16. Jahrhundert entdeckten. Die
Fähigkeit, grüne Eier zu legen, beruht möglicherweise auf einer Mutation eines
Gens und setzte sich durch, weil die gefärbten Dotterkugeln im Gestrüpp
geschützter waren.
Man sagt den grünen Eiern nach, dass ihr Cholesteringehalt geringer sei
als bei weiß oder braun gefärbten.
Weder Orpingtons, Australorps
noch Grünleger sind Legehybriden. Die Tiere
sind entsprechend nicht streng durchselektiert nach der Form ihrer Eier.
Untersuchungen haben gezeigt, dass der Verbraucher eine leicht ovale, beinahe
kugelige Eiform bevorzugt. Nun ja, bei uns herrscht eher „Vielfalt“, was auch
für die gehaltenen Tiere gilt. Inzwischen werden wir jeden Tag ein bisschen mehr
Auffangstation für Heimatlose: Nachdem unlängst Hahn Paul wegen Krankheit seines
Besitzers zu uns gekommen war, bereichert uns nun noch der in Winnekendonk
aufgegri
ffene Zwerghahn Hektor.
Wir planen, unseren Hühnerbestand um zwei Gruppen mit je 150 Tieren aufzustocken. Wenigstens 50 Prozent des Bestandes sollen Grünlegerinnen sein. Leider gibt es offenbar keine Bio-Junghennenzüchter, die Araucaner vermehren, und das für Ausnahmegenehmigungen zuständige Landesamt für Ernährungswirtschaft und Jagd erlaubt uns nicht, Tiere aus konventionellen Betrieben zuzukaufen. Also brüte ich nun "selbst"..... und freue mich über jede Henne, die mir hilft.