Von Fettpopos und trockenen Schinken
Hallo!
Wir sind Fritz, Susi, Hildegard, Gabriele und Gerti mit unseren fünf wolligen Wühlmäusen - pardon - Wühlferkelchen. Wagen Sie es nicht, uns Wildschweine zu nennen. Wir haben nichts zu tun mit diesen unzivilisierten, schwarzen Borstenviechern, die sich wie die Karnickel vermehren und die Felder der Bauern verwüsten. Untersteht euch, ihr barbarischen Jäger, uns wie gewöhnliche Sauen bei Vollmond zu hetzen, wie ihr es so gerne tut. Wir sind vom Aussterben bedroht! Wir sind ungarische Wollschweine. Mangalitza.
Was das Beste ist: Wir haben dafür gesorgt, dass
die Sauen des Naturh
f
s auf der Weide leben dürfen. Gleichheit, Freiheit, Tiergerechtigkeit. Die
Etzolds glauben nämlich, dass unsere Art, Ferkel zu bekommen und aufzuziehen,
auch mit diesen neumodischen Nackt-Schweinen funktioniert. Ich gebe es ja ungern zu, aber
sie haben recht. Unsere
Instinkte lassen sich einfach nicht wegkreuzen. Unsere Instinkte sind unsterblich!
Ok. Sind wir mal ehrlich. Wir waren die Ideengeber, aber ohne die Bauersleute hätten wir und diese
magersü
chtigen Rüsselschnallen
von der anderen Seite dieser Homepage nicht so glücklich ausgesehen. Fakt ist,
dass ich, Susi, meine schwalbenbäuchige Schwester Hildegard und meine roten Töchter
Gabriele und Gerti verschenkt wurden per Anzeige im Westfälischen Wochenblatt.
Einfach so. Wir sollten weg. Na, und die Miri Etzold hat eine Schwäche für heimatlose Tiere und ihr Mann, der Reinhard Schmidt-Etzold, ist
gutmütig und sammelt die dann zusammen. So war es auch an diesem Tag im November
anno 2005, als im Münsterland unter der Schneelast die Hochspannungsmasten
zusammenbrachen. Ja, an diesem Tag kutschierten wir aus dem hohen Norden trocken
und warm an den Niederrhein. Mensch, danke! Wir kriegten soviel zu Fressen wie
schon lange nicht mehr. Wir haben der Bäuerin unsere
gesamte Stammesgeschichte vorgegrunzt, vom ersten bis zum letzten Ringelschwanz.
Die hat vielleicht gestaunt. Mit uns haben die mal endlich was richtig
Wertvolles auf ihrem Hof. Schon vor über 150 Jahren haben wir, besser unsere
Vorfahren, unseren Siegeszug durch halb Europa angetreten. Mancherorts zählten
wir zu den meistgehaltenen Schweinen, weil die Menge und die Qualität unseres
Specks ihresgleichen suchte. Nun haben wir ausgedient. Wer will heute noch mit
uns fett werden? Stattdessen gibt es nur noch diese stressanfälligen Knackärsc...
-pardon- trockenen Schinkentypen. Alle auf dem Ma
gertripp. Echt krank, die
Menschen. Und wir sterben aus. Das ist eine solche Schweinerei. Diskriminierung.
Ekelhaft wie Sülze im trüben Aspik oder ein geräucherter Schinken mit Maden. Na ja, ich gebe es ja zu. Wir
eigenen uns auch nicht für diese Käfige auf Spalten. Sau neben Sau. Wir sind
doch keine Hühner. Aber die legen ja auch Eier ohne Hahn. Das nenne ich Skalverei. Uns kann man gar nicht so viel Viagra geben, um uns da noch Lust zu
machen. Unsere Eizellen ovolieren einfach nicht in so einem Umfeld. Und ohne
Eisprung, kein Ferkelchen.Wir brauchen
den Wind um unsere Rüssel und den Duft von Wurzeln zweit Meter tief im Boden.
Ja, also, da waren wir nun am Niederrhein mit Luft im Fell und Laune unter
der Haut, aber ohne den Liebreiz eines Ebers. M
E versuchte ihr Bestes und kaufte einen Kerl
im Klever Tierpark. Ich sage Ihnen: Der war ein Verreckling und was noch viel
Schlimmer war, er war so schüchtern. Der hat auch noch Geld gekostet. Die
Menschenfrau ist geizig. Sie wollte den Fehlkauf nicht hinnehmen und hat den
rangepäppelt. Nur das beste Fressen für ihn; ihn gekrault und getätschelt. Nun ist der Kerl
ein Macho. Er ist größer als wir und eigentlich unausstehlich. Aber,
ich sage euch, er hat das gewisse Etwas. Er ist schon toll! Und ein guter Vater. Fünf
Ferkelchen haben wir schon.
Nun sind Hildegard und Gabriele in guter Hoffnung. Oder sind die nur fett?